Die Entwicklung einer fasnächtlichen Besonderheit

Umzüge mit Lärmgeräten sind im Volksbrauch eine geradezu weltumgreifende Erscheinung. In unserem Kulturkreis kennen wir Lärmzüge vornehmlich bei Winter- und Frühlingsbräuchen sowie als Mittel der knabenschaftlichen Volksjustiz. Unter Begriffen wie "Tschättermusik", "Katzenmusik" und "Charivari" sind diese improvisierten "Musikgruppen" in unserem Lande seit langem bekannt. Die älteren Begriffe werden in unserem Jahrhundert grösstenteils abgelöst durch das Wort "Guggenmusik" bei gleichzeitiger Veränderung des Klangkörpers. Der neue Begriff und mit ihm grösstenteils auch die Sache scheint sich von Basel aus verbreitet zu haben. In der Stadt Basel existierte vor dem Auftauchen des Wortes "Guggenmusik" offensichtlich kein einheitlicher Begriff für eine kakophonisch spielende Musikgruppe. Für zwei benachbarte Baselbieter Gemeinden ist die "Katzenmusik" belegt, wie wir später sehen werden. So wird 1904 aus Muttenz berichtet: "Von dem hässlichen 'Morgenstreich' mit seinem katzenmusikartigen Lärmen war diesmal nichts zu merken". Eine nächtliche Katzenmusik veranstalteten 1888 etwa dreissig Allschwiler Altkatholiken, nachdem ihr Sieg bei den Gemeindewahlen festgestanden hatte: Sie zogen mit Pechfackeln, Trommeln, Pfannendeckeln und Kuhglocken lärmend vor jedes römisch-katholische Haus. Es sei nicht verschwiegen, dass es in der Nacht nach dem Herrenfastnachtssonntag geschah: Die Instrumente hatte man ja ohnehin in Griffnähe!

 

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